Guila – Frankensteins Teufelsei

The-X-from-Outer-Space

Von Außerirdischen, einem monströsen Gummihuhn und der Belanglosigkeit von Nachnamen. Ein ironischer Blick auf das Teufelsei.

Es ist Nacht. Hinter einem Hügel steigt Rauch empor. Licht blitzt auf. Ein Kreischen. Mit einem lauten Knall betritt plötzlich ein riesiges Gummihuhn die Bühne – ein Auftritt eines Michael Jackson würdig.

Gleich des berühmten Godzilla wütet dieses Wesen durch schönste Märklin-Landschaften, routiniert zerstört es Pappmaché-Tokio. Panzer beschießt es mit Feuerbällen aus dem Schnabel und Kampfjets werden auch schon mal volley genommen. Besonders Kraftwerke steuert es gerne an, da diese seinen kompletten Tagesbedarf an Energie und Vitamin C abdecken. Niemand kann es aufhalten – der Krisenstab ist ratlos.

Zu Beginn von GUILA – FRANKENSTEINS TEUFELSEI ist dieser intergalaktische Feldzug noch nicht zu erahnen. Ein Hubschrauber landet auf dem Gelände des „Fuji Astro Flying Centers“ (FAFC), an Board der deutsche Dr. Berman – und eine Kiste mit nuklearem Treibstoff. Richtig, damals führte man atomares Material noch im Handgepäck mit sich.

Der Treibstoff ist für eine Mission zum Mars gedacht. Dort soll aufgeklärt werden, ob wirklich Ufos für das Verschwinden anderer Raumschiffe in dieser Gegend verantwortlich sind. An Board des fliegenden Bunsenbrenners sind vier echte Profis: Frauenheld Captain Sano, Spaßvogel Miamoto, die blonde Biologin Lisa aus Deutschland (einen Nachnamen wollte der Regisseur einer Frau wohl nicht spendieren) und der Arzt Dr. Shioda. Der wird allerdings gleich zu Beginn schon krank und muss ersetzt werden. Geballte Kompetenz also, wenn es darum geht mit Außerirdischen zu interagieren. Gleich bei ihrer ersten Begegnung mit einem Ufo, das in Form eines blinkenden Pfannkuchens zu überzeugen weiß, fliehen sie zu ihren Kollegen auf den Mond, wo durch Michiko (ebenfalls nur Frau und ohne einen Nachnamen) dem Film eine zwischenmenschliche Ebene hinzugefügt wird. Sowohl sie als auch Lisa haben ein Auge auf Captain Sano geworfen. Besonders bei Michiko führt das immer wieder zur Eifersucht. Schnell wird klar: trotz wichtiger Beiträge zur Mission scheinen Frauen vor allem hübsches Beiwerk zu sein. „Forgive me. But afterall I am a woman“. Recht hat sie, das Fräulein Dingens… ähm… also die Lisa.

Kurz darauf die zweite Begegnung mit einem Ufo, das die irdische Crew mit außerirdischen Sporen beschießt – blinkende Eier, die sie fachgerecht und mit äußerster Vorsicht, sprich: mit bloßen Händen, entfernen. Eines davon sammeln sie zu Forschungszwecken ein. „Mission accomplished“ – und nun schnell zurück zur Erde. Für die passende Atmosphäre sorgt locker flockiger Jazz, der die Dramatik eines Tanztees vermittelt.

Zurück auf der Erde will Lisa das mitgebrachte Ei untersuchen. Weil der ansonsten etwas steife Dr. Berman aber eine wilde Begrüßungssause in seiner Junggesellenbude feiern möchte, wird das auf den nächsten Tag verschoben. Ein Fehler, denn prompt geschieht das Unglück: Ein unbekanntes Wesen entwickelt sich aus dem Ei und befreit sich aus dem FAFC.

Kurze Zeit später dürfen wir dieses beeindruckende Monster auch bei Tageslicht und in seiner vollen Pracht bewundern: Guilala, wie es später ohne weitere Erklärungen von den Mitarbeitern des FAFC getauft wird, ist 60 Meter groß und 15.000 Tonnen schwer. Halb Echse, halb Huhn. Sein Kopf ähnelt einem Stealth-Bomber. Nur mit Schnabel, zwei leuchtend roten Augen, einem Schnorchel, zwei Antennen und einem Handtuchhaken am Hinterkopf. Modisch voll im Trend sind sowohl seine Puffärmel als auch die rot lackierten Nägel. Problemzonen sind eindeutig die Reiterhosen.

Guilalas Zerstörungsmarsch aufzuhalten scheint unmöglich. Doch Lisa hat eine Idee und entwickelt den Plan für eine Art Gegenmittel, das so genannte Guilalalium. Doch dazu müssen sie zunächst wieder ins Weltall. Und plötzlich wird es nervenzerreißend spannend! Schaffen sie es rechtzeitig zurückzukehren, bevor es zu spät und Guilala zu mächtig ist? Und für wen wird Captain Sano leider keine Rose haben?

Machen wir es kurz: natürlich schaffen sie es rechtzeitig zurück. Doch auf der Erde wartet bereits das nächste Problem: Auf dem FAFC-Gelände feiert Guiliala eine Abrissparty. Eingeklemmt unter Trümmern liegt Lisa. Eine Situation, in der durch die englische Synchronisation das äußerst überschaubare Schauspieltalent von Lisa-Darstellerin Peggy Neal noch deutlicher wird. Nicht einmal anständig leiden kann sie. Ihre Schmerzensschreie gleichen vielmehr dem inbrünstigen Röhren eines Elches zur Paarungszeit. Aber sei es drum, denn es naht auch schon das große Finale. Kampfjets bombardieren das Monster mit Guilalalium bis es komplett damit ummantelt ist und wieder zu dem Ei zurückschrumpft, das es einst war. Dieses wird in eine Rakete gesteckt und zurück ins All verfrachtet. Ende.

Moment, das war es schon? Das war das große Finale? Nach all dem Theater um verschwundene Raumschiffe, Ufos, ein fliegendes Huhn und einen röhrenden Elch wird das Monster bloß eingeseift, schrumpft und verschwindet? Naja, vermutlich wollte Regisseur Nihonmatsu, dass es einfach nur aufhört. Wer kann es ihm verdenken?

Und für wen entschied sich Captain Sano schlussendlich – Lisa oder Michiko? Erstaunlicherweise für die Japanerin. Wer hätte es gedacht! Aber immerhin kann uns Lisa dadurch noch die Moral von der Geschicht’ vermitteln:

„That’s the lesson Guilala taught me. All things should stay where they belong.“

Ähm …ja gut, es waren eben andere Zeiten damals.

Uchû daikaijû girara, Nihonmatsu Kazui, Japan 1967, 89 min.

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