The Apology King

The Apology KingEinen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft Japans hat Dogeza: Eine tiefe Verneigung, aufrichtiges Bedauern – so entschuldigt man sich richtig, wenn ein einfaches „Entschuldigung“ nicht ausreicht. Das lehrt uns ein schriller Werbespot gleich zu Beginn von THE APOLOGY KING. Doch Dogeza, das ist für Anfänger – beim Tokyo Apology Center geht mehr. Super Dogeza verspricht Kuroshima Yuzuru (Abe Sadao), gar Ultra Dogeza. Mit seiner Agentur übernimmt er schwere Fälle. Denn, so Kuroshimas Philosophie: Mit der richtigen Entschuldigung lassen sich sogar Gerichtsverhandlungen vermeiden. Als die junge Noriko (Inoue Mao) beim Apology King ihre Berufung findet und fortan für ihn arbeitet, floriert das Geschäft mit der Vergebung.

Sechs Fälle zeigt Mizuta Nobuo in THE APOLOGY KING, in denen eine Entschuldigung dringend angebracht ist und wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Ein Auffahrunfall mit der Yakuza, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, ein Spritzer brühend-heißes Ramen-Wasser im Gesicht. Jede Situation hat ihre ganz eigene Tragik und auf ganz wahnwitzige Weise hängen alle irgendwie zusammen. Bereits bei den kleinen Fällen nimmt das zugespitzte Dogeza ausnahmslos groteske Züge an, doch plötzlich stehen die Interessen einer ganzen Nation auf dem Spiel.

Kulturelle Selbstironie auf höchstem Niveau präsentiert THE APOLOGY KING. Im Aufbau klug inszeniert, stellt Regisseur Mizuta den eigentlichen Akt des Dogeza seiner Erzählung voran und erklärt so auch einem damit weniger vertrauten Publikum, wie man sich nach allen Regeln der Kunst in Japan entschuldigt. Freilich nur, um gleich darauf zu sagen: Das reicht natürlich bei weitem nicht aus! Sein Geschäftsmodell eben. Den Höhepunkt liefert ein Konflikt mit dem kleinen Königreich Mantan. Hier gelten andere Normen und je intensiver das Dogeza an Selbstaufopferung grenzt, desto schlimmer wirkt der Affront gegen das selbstbewusste Volk. Von Beginn an hält der Film seinem Publikum den Spiegel vor Augen, doch hier, in Mantan, gerät dieser zum Zerrspiegel: Entschuldigt wird plötzlich fürs Entschuldigen selbst. Herrlich absurd und doch nicht frei von sentimentalen Zwischentönen ist Mizuta mit THE APOLOGY KING eine wunderbare Komödie gelungen, die ganz nebenbei schon sehenswert ist, aufgrund ihrer Vielzahl an charmanten urbanen Schauplätzen.

Shazai no ohsama, Mizuta Nobuo, Japan 2013, 138 min.

Mehr erfahren: Nippon Connection auf Okaeri
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