Im Gespräch mit Sakura Ando

Sakura Ando

Mit 100 YEN LOVE UND 0,5 MM präsentierte Schauspielerin Sakura Ando gleich zwei Filme bei der diesjährigen Nippon Connection. OKAERI nutzte die Gelegenheit für ein Gespräch mit der sympathischen 29-Jährigen, die unter anderem schon für Takashi Miike (FOR LOVE’S SAKE) und Sion Sono (LOVE EXPOSURE) vor der Kamera stand.

Okaeri: Die Figur, die du in 100 YEN LOVE verkörperst, verändert sich im Verlauf des Films sehr stark. Wie war es für diese sehr unterschiedlichen Charakterzüge zu Beginn und am Ende auf der Leinwand zu sehen?
Sakura Ando:
Wir hatten insgesamt nur 14 Tage für den Dreh. Davon hatte ich zehn Tage Zeit, meinen Körper auf die Rolle vorzubereiten – ein sehr anspruchsvolles und anstrengendes Unterfangen.  Leider haben wir nicht in der Reihenfolge gedreht, wie die Szenen in Film zu sehen sind. Das hatte verschiedene Gründe, unter anderem waren einige Nebendarsteller nur an bestimmten Tagen am Set. Deshalb habe ich in den ersten Tagen einige spätere Teile des Films gedreht, als mein Körper noch nicht in Form war. In den zehn Tagen haben sich dann wirklich viele Muskeln gebildet und ich musste hin- und herspringen zwischen der trainierten und untrainierten Rolle. Als ich den Film dann zum ersten Mal gesehen habe, sind mir die Veränderungen an meinem Körper auch bewusst aufgefallen. Diese körperliche Veränderung war für mich auch ein wichtiges Ziel, als ich das Drehbuch gelesen hatte, denn ich wollte glaubhaft als Boxerin rüberkommen. Ich war sehr glücklich, als ich gesehen habe, dass mir das gelungen ist. Ich wurde öfter gefragt, ob wir das mit CGI unterstützt haben, aber es ist alles echt.

Die Boxerin kauft man dir auch absolut ab. War der Sport für dich ganz neu?
Sakura Ando: Vor dem Dreh hatte ich drei Monate Zeit, um mich vorzubereiten. Es war für mich aber nicht das erste Mal – mit 14 Jahren habe ich schon mal geboxt, aber nur sehr wenig und ich hatte alles wieder vergessen. Beim Training hat mir diese Erfahrung dennoch geholfen und es war auch ein Grund, warum mir das Drehbuch gut gefallen hat.

Sakura AndoDer Schmerz im Boxring ist ein zentrales Thema im Film. Hast du beim Dreh auch wirklich etwas abbekommen?
Sakura Ando: Es war alles sehr real. Es war von vorneherein durch das Drehbuch festgelegt, wann, wo und wie geschlagen wird, und das wurde auch mehrmals trainiert. Aber trotz des Vertrauensverhältnisses untereinander kam es doch zum ein oder anderen Schlagabtausch. Vor allem beim richtigen Dreh, als der Gong ertönte, habe ich schon einige Schläge ausgeteilt und eingefangen. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht (lacht). Wir haben über 20 Stunden für die Kampfszene gedreht, von Morgens halb sieben bis Nachts um kurz vor drei. Am Ende, als ich im Ring kaum noch mein Gleichgewicht halten konnte und nicht mehr gerade stehen kann – das war kein Schauspiel, das war real. Die Wunden waren übrigens nicht echt.

Man spürt, dass du die verschiedenen Ausprägungen deiner Figur sehr intensiv und mit sehr viel Persönlichkeit spielst. Wie bereitest du dich auf deine Rollen vor?
Sakura Ando: Das hängt von der Rolle ab. In 0.5 MM musste ich mich um ältere Herren kümmern. Hier war es für mich sehr viel einfacher, mich in die Rolle hinein zu versetzen, weil meine Schwester das Drehbuch geschrieben hat, mit der Vorstellung dass ich die Rolle spielen werde. So konnten wir die Rolle als Geschwister zusammen erarbeiten. Dabei stellte ich mir zum Beispiel die Frage, wie ich mit den älteren Leuten kommuniziere und mit ihnen umgehe. Ich wollte es so machen, dass es real ist – auch das Gefühl dabei. Es kommt von Person zu Person darauf an, wie man auf sie zugeht und mit ihnen spricht.

Nicht nur du und deine Schwester sind im Filmgeschäft aktiv, sondern unter anderem auch dein Vater. Welchen Einfluss hat das auf deine Entwicklung genommen?
Sakura Ando: Mein familiäres Umfeld war ein großer Einfluss für mich. Zum ersten Mal war ich mit 14 Jahren am Set meines Vaters und habe gesehen, wie ein Film entsteht und was dazu alles notwendig ist. Das hat mich geprägt und aus den Erfahrungen habe ich gelernt. Dabei habe ich erlebt, mit wie viel Schweiß und Herzblut die Leute beim Film dabei sind und dass alle die daran teilhaben wichtig sind – auch die Personen im Hintergrund. Ich habe mitbekommen, wie mein Vater Filme macht. Das ist wie Erziehung – mit viel Liebe. So wie er uns beiden Kindern Liebe gegeben hat, hat er sie auch dem Film gegeben und so konnte ich die Liebe zum Film ganz nah spüren. Filme zu drehen ist für mich eine sehr persönliche und emotionale Sache, in die ich meinen Körper mit aller Kraft einbringe, um in jeder Rolle eine gute Performance zu liefern und meinen Teil zum Film beizutragen.

Sakura AndoWoran arbeitest du derzeit?
Sakura Ando: Direkt nach dem Dreh von 100 YEN LOVE folgte 0.5 MM – dabei hatte ich mich sehr verausgabt. Danach habe ich noch die Hauptrolle in einem weiteren Film namens ASLEEP gespielt. Das war eine recht entspannte Rolle, sehr passend zu meiner körperlichen und seelischen Verfassung (lacht). Trotzdem habe ich zuletzt so viel Energie in meine Filme investiert, dass ich erst mal eine Pause brauche. Auf einen neuen Film möchte ich mich neu einstellen und auch eine neue Seite zeigen können.

Du hast auch eine Rolle in Kiyoshi Kurosawas Mini-Serie SÜHNE (SHOKUZAI) gespielt, die im Juli im deutschen Fernsehen zu sehen war.
Sakura Ando: Die Serie haben wir vor vier Jahren gedreht. SÜHNE basiert auf einem Krimibestseller und handelt von vier Frauen, deren Geschichte jeweils in einer Episode erzählt wird. Das Ganze spielt in einer typischen Kurosawa-Welt. Jede Folge liefert dabei eine andere Sicht und ist für sich sehr interessant. Es gibt noch eine fünfte Folge – was es damit auf sich hat, wird klar, wenn man es sieht. Meine Episode fand ich am spannendsten.

Warum?
Sakura Ando: Dabei geht es nicht mal um mich selbst, sondern der Charakter der Figur, die Musik und das Gesamtbild der Folge sind sehr überzeugend.

Hast du für die Zukunft noch weitere gemeinsame Filme mit deiner Familie geplant?
Sakura Ando: Noch nicht, aber ich möchte sehr gerne wieder mit meiner Schwester arbeiten. Wir haben einen besonderen Bezug zueinander, meine Schwester ist meine engste Vertraute und wir stehen uns sehr nah. Wir teilen auch ähnliche Wertvorstellungen, und deshalb kann ich mich bei ihr anders ausdrücken. Auch mit meinem Vater macht die Zusammenarbeit sehr viel Spaß, aber es ist nicht so emotional, wie bei meiner Schwester.

Sakura AndoHast du schon ein neues Projekt geplant? Was würdest du gerne mal spielen?
Sakura Ando: Es gibt schon etwas sehr Konkretes, aber darüber darf ich noch nicht sprechen. Eigentlich ist es fast schon egal, welche Rolle ich spielen werde, denn ich interessiere mich für alles. Ich würde gerne mal etwas mit Waffen machen oder auch nicht-menschliche Rollen spielen. Im Film ist alles möglich und deshalb möchte ich auch alles machen.

Welche Bedeutung hat es für dich, deine Filme auf einem Festival wie der Nippon Connection zu präsentieren?
Sakura Ando: Ich bin sehr glücklich, dass ich zu Festivals im Ausland eingeladen werde und dort meine Filme zeigen darf. Es ist spannend in Frankfurt zu sein, weil es hier die zweitgrößte japanische Community in Deutschland gibt. Der Austausch und die Verbindung zwischen Japan und Deutschland findet auch über die Filme statt, die hier zu sehen sind und ich freue mich, dass ich dazu beitragen kann. Die Reaktion der Zuschauer ist ganz anders als in Japan – wann die Leute lachen, klatschen oder weinen. Das freut mich und hat auch einen positiven Einfluss auf meine weitere Arbeit.

Interview und Fotos: Sascha Schmidt. Mit Dank an Momo Yamamoto und Nicolo Dresp für die Übersetzung des Gesprächs.

Mehr erfahren:
Filmbesprechung: 100 Yen Love
Nippon Connection auf Okaeri
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Ein Gedanke zu “Im Gespräch mit Sakura Ando

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