„Silent Love“: Der zeitlos schöne Auftakt einer wunderbaren Partnerschaft (die leider zerbrochen ist)

Treibende Synthie-Klänge zeugen von der Zeit ihrer Entstehung, während die ruhigen Stücke des Soundtracks viel von der minimalistischen Eleganz Eric Saties aufweisen. Im Hauptthema indes steckt all das, was die Magie von Joe Hisaishis Filmmusik ausmacht: Es ist kraftvoll, romantisch und melancholisch zugleich. Dank seiner gefühlvollen Komposition die sich in den ersten Minuten stetig steigert, wegen der Streicher und des eindrücklichen weiblichen Sologesangs ist „Silent Love“ ein Stück von zeitloser Schönheit.

A SCENE AT THE SEA war der Beginn der jahrelang andauernden und ausgesprochen fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Hisaishi und Kitano Takeshi, in deren Verlauf Meisterwerke wie HANA-BI, KIKUJIROS SOMMER oder SONATINE entstanden. Zum letzten Mal taten sich die beiden für den Episodenfilm DOLLS zusammen, danach kam der Bruch. Für ZATOICHI, erzählte Kitano seinerzeit im Interview mit Midnight Eye, habe er vorab bereits Szenen gedreht, deren Musik auf Percussions basierten, der Film habe daher einer anderen Musik bedurft, die diese Elemente aufgreifen. „Als Komponist ist Herr Hisaishi nicht sehr flexibel“, erklärte Kitano knapp, und lässt damit bloß erahnen, wie sehr die Vorstellungen der beiden kreativen Geister auseinanderklafften. Ob es nochmal zu einer Zusammenarbeit mit Hisaishi kommen könnte, hakte der Interviewer damals nach. Kitano: „Er war jüngst sehr erfolgreich mit seiner Arbeit, also fürchte ich, dass er zu teuer für mich geworden ist.“ – Autsch! Bis heute scheint der Riss nicht gekittet, eine zukünftige Kooperation unwahrscheinlich.

Seit dem Bruch arbeitete Kitano mit verschiedenen Komponisten zusammen. Die kreative Lücke, die Hisaishi bei ZATOICHI hinterließ, füllte Suzuki Keiichi, der danach die Soundtracks für OUTRAGE und OUTRAGE BEYOND (der in Kürze bei Capelight erscheint) schrieb und auch für die Musik zu Kitanos neuen Film RYUZO AND THE SEVEN HENCHMEN (der auf der diesjährigen Nippon Connection zu sehen ist) verantwortlich ist.

Ein kleiner Lichtblick bleibt: Die Melodie des Jingles von Office Kitano stammt aus der Feder Hisaishis, der damit im Intro zu Kitanos Produktionen einen Moment lang all das bietet, was über eine Dekade lang das Miteinander dieser beiden Größen des japanischen Kinos bestimmte: Romantik, Träumerei und Melancholie.

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