Under the Cherry Tree

Kei Tanaka bekam für UNDER THE CHERRY TREE den Nippon Visions Audience Award

Kei Tanaka kam zur Deutschlandpremiere von UNDER THE CHERRY TREE nach Frankfurt.

„Ich bin glücklich“, sagte Kei Tanaka auf deutsch, als ihr die Jury zum Abschluss der 16. Nippon Connection ein Special Mention für ihren Film UNDER THE CHERRY TREE aussprach. Doch das sollte nicht die größte Überraschung für die 29-jährige Filmemacherin bleiben – denn nicht nur die Jury war von ihrem Debütfilm begeistert, sondern auch das Publikum. Der Lohn: Der Nippon Visions Audience Award für UNDER THE CHERRY TREE.

In ihrem einfühlsamen Dokumentarfilm blickt Kei Tanaka auf die Menschen in einem Housing-Project, einem Sozialbaukomplex in dem überwiegend ältere und arme Menschen leben.

Under the Cherry Tree

Film Still via Nippon Connection

Dabei lässt sie sich zunächst viel Zeit für die Exposition: Nach und nach stellt sie vier Bewohner der Wohnkomplexes vor, indem sie Ausschnitte ihres Lebensalltages zeigt. In schwarzen Texttafeln liefert sie zum Abschluss biografische Notizen zu jeder Person. Es wirkt wie ein starrer und spannungsarmer Auftakt, doch gerade durch diesen nüchternen, repetetiven Aufbau gelingt es Tanaka die oberflächliche Ödnis auf Leinwand zu bannen, mit der man den Housing-Projects allzu leicht begegnen kann. Was hier im Alltag geschieht, das zieht keine öffentliche Aufmerksamkeit auf sich, das hat für Medien keinen Nachrichtenwert. Es wäre ein Leichtes, den Blick wieder abschweifen zu lassen, wenn er im vorübergehen wie zufällig an den Anwohnern vorbeizieht. Tanaka tut das nicht. Ein historischer Rückblick auf die Ursprünge der Wohnanlage bildet eine scharfe Zäsur, danach öffnet UNDER THE CHERRY TREE ein Fenster: Kleine Momente der Aufmerksamkeit für Menschen, denen Aufmerksamkeit ansonsten nur selten geschenkt wird.

„Ich spreche immer zu den Bäumen“, sagt einer der Senioren. „Außer den Bäumen und den Damen der Fürsorge habe ich niemanden.“ Ein anderer antwortet auf die Frage, warum er seinen letzten Willen verfasse: „Es ist ein Zeichen, dass ich gelebt habe.“ Auch er ist allein. Zunehmend verwebt der Film die Geschichten der Menschen, die hier leben, zunehmend verliert das Housing-Project sein anonymes Antlitz und öffnet den Blick auf die Menschen, ihr Leben und ihre Schicksale.

Kei TanakaIhre Rolle als Filmemacherin verheimlicht Tanaka dabei nicht: Immer wieder hört man sie jenseits des Bildes lachen und sprechen, einmal tauscht sie gar die Rollen, als sie zur Befragten wird und dem Bewohner dabei gerne antwortet.

Zu Beginn der zweijährigen Dreharbeiten sei das Verhältnis zu den Bewohnern noch distanziert gewesen, erzählte die Regisseurin bei der Filmvorführung in Frankfurt. Doch schon bald entwickelte sich ein ganz natürliches Vertrauen zwischen ihr und ihren Protagonisten, was sie als sehr wichtig empfand. Das ging so weit, dass es immer wieder auch zu Treffen außerhalb der Dreharbeiten kam. Überhaupt war es die Offenheit dieser vier Menschen, denen sie zum ersten Mal bei ihren Recherchen begegnete, die ihr den Zugang zu eben diesem Wohnkomplex öffnete und ihr die Auswahl für den Film ermöglichte.

In Japan habe man UNDER THE CHERRY TREE als hoffnungsvollen, ermutigenden Film empfunden, sagte Kei Tanaka, für das Publikum im Westen hingegen sei er sehr traurig gewesen. Ein bisschen Wahrheit steckt in beiden Lesarten. Auch wenn die Housing-Projects in ihrer spezifischen Erscheinung ein japanisches Phänomen sein mögen – die Thematik von UNDER THE CHERRY TREE ist universell. Alter, Armut und Einsamkeit – oft gehen die persönlichen Schicksale hinter statistischen, demografischen Variablen verloren. Und so bedachte die Jury den Film auch mit einem Special Mention, weil er die Freuden und den Reichtums der Menschen darstelle, die er portraitiert.

Sakura no ki no shita, Tanaka Kei, Japan 2015, 92 min.#

Mehr erfahren: Nippon Connection auf Okaeri

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