Lowlife Love

Lowlife Love PosterEs ist schon ein hartes Geschäft, das Filmbusiness. On top sowieso, wo die großen Leinwandmärchen entstehen – doch besonders auch am anderen Ende der Nahrungskette. Dort nämlich, wo Träume schneller zerplatzen, als sie geträumt werden, wo mehr geplant wird, als gedreht, weil es an allem fehlt: An Geld, an Kontakten und kreativem Vermögen. Nur nicht an Leidenschaft und dem Willen, es doch noch irgendwie zu schaffen. Genau in diesem Milieu der Super-Independent und Ultra-Low-Budget-Filmszene spielt LOWLIFE LOVE.

Tetsuo (Shibukawa Kiyohiko) ist ein Lowlife. Als erfolgloser Filmemacher lebt er mit seinen 39 Jahren noch immer in einem Zimmer bei seiner Mutter und hält sich mit einer kleinen Schauspielschule und dubiosen Pornoproduktionen über Wasser. Jetzt will er es noch einmal wissen: Mit einem Skript von Ken (Oshinari Shugo) und der schüchternen Minami (Okano Maya) in der Hauptrolle soll es doch noch etwas werden, mit seinem großen Traum vom Film. Doch wie immer steht sich er sich und anderen dabei im Weg und scheut auch nicht davor zurück, all jene auszunutzen, die auf seinen wohl gewahrten Schein des vermeintlich großen Künstlers hereinfallen.

Lowlife Love

Filmstill via Nippon Connection

Filmstills (4) via Nippon Connection

Voll absurder, meist zynischer Komik steckt die die schwarze Komödie von Uchida Eiji (GREATEFUL DEAD), die vom britischen Third-Window-Films-Macher Adam Torel produziert wurde. Zwischen Momenten, in denen der Film sensible Portraits seiner aussichtslosen Künstlerseelen zeichnet und der oft satirisch überspitzten Darstellung des zermürbenden Alltags der Filmcrew offenbart sich ein unterhaltsames und zugleich nachdenkliches Bild der Szene. Mehr als einmal bleibt einem das Lachen dabei im Halse stecken. Zwar fügt sich jeder irgendwie in seine Rolle, doch ohne Folgen bleibt das nicht: Während die einen bereit sind über Leichen zu gehen, bleiben die anderen auf der Strecke und verkaufen sich und ihren Körper für ein kleines bisschen vermeintlichen Ruhm. Schon vor dem Film warnte Torel daher die Zuschauer  mit einem Augenzwinkern: Das sind böse Menschen, die böse Dinge tun! Und so nimmt LOWLIFE LOVE auch zu keiner Zeit ein Blatt vor den Mund. „Hinterlistig, dreckig und verbittert – jeder in dieser Branche nervt!“, heißt es einmal, ein anderes Mal: „Alle Regisseure und Produzenten sind Arschlöcher!“

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Für LOWLIFE LOVE selbst gilt das freilich nicht. Vielmehr ist der Film ein Lehrstück darüber, wie erfolgreich der Einsatz einer passionierten Filmcrew tatsächlich sein kann. Weniger als 40.000 Euro betrug das Budget des Filmes – selbst im Low-Budget-Segment ist das eine geringe Summe. Trotzdem: Sie aufzutreiben, war harte Arbeit. Denn LOWLIFE LOVE ist der erste vollkommen unabhängig produzierte Film von Adam Torel, nachdem er zuvor bereits als Co-Produzent für LAND OF HOPE (Sono Sion) und als maßgeblicher Produzent in der internationalen Co-Produktion von FUKU-CHAN OF FUKUFUKU FLATS (Fujita Yosuke) fungierte. Das komplizierte und unflexible System der japanischen ‚Film Committees‘ kritisierte Torel bereits mehrfach. Mit der komplett unabhängigen Produktion sicherte er sich für LOWLIFE LOVE nun die volle Kontrolle. Nicht umsonst allerdings: Um einen Teil des Budgets zu stemmen, verkaufte der Musikliebhaber einen großen Teil seiner Plattensammlung, darunter etliche Raritäten.

Produzent Adam Torel und Hauptdarsteller Shibukawa Kiyohiko bei der LOWLIFE LOVE Premiere in Frankfut.

Produzent Adam Torel und Hauptdarsteller Shibukawa Kiyohiko bei der LOWLIFE LOVE Premiere in Frankfut.

Doch das hat sich gelohnt: Dank der richtigen Balance aus Überheblichkeit und Emotion, aus Arroganz und Reflexion funktioniert LOWLIFE LOVE sowohl als kurzweilige Satire wie auch als Nestbeschmutzer der Indie-Filmszene. Nicht zuletzt durch seine eigene Produktionsgeschichte und das hinreißende Schauspiel der Darsteller, steckt hinter der zynischen Fassade von LOWLIFE LOVE dann aber doch auch noch etwas anderes: Eine wunderbar eigensinnige Liebeserklärung nämlich – ans Kino und an den Traum vom Filmemachen.

Gesu no ai, Uchida Eijo, Japan 2015, 110 min.

Mehr erfahren:
Interview mit Produzent Adam Torel
Nippon Connection auf Okaeri
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Ein Gedanke zu “Lowlife Love

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