Im Blick der Gorgone: Kiyoshi Kurosawa

KiyoshiKurosawa

Ein unerwarteter Anblick bei der Nippon Connection: Im Mousonturm überraschte Tom Mes das Publikum mit dem  britischen  Darsteller Michael Goodliffe (PEEPING TOM) in einer Hammer Films-Produktion – doch der Kreis zum japanischen Kino schloss sich schnell. Anlässlich des Filmemachergesprächs mit Kiyoshi Kurosawa zeigte der Japan-Filmexperte, Buchautor und Midnight-Eye-Macher Filmausschnitte mit Bezug zum Werk Kurosawas, darunter auch Terence Fishers THE GORGON (dts. Titel: DIE BRENNENDEN AUGEN VON SCHLOSS BARTIMORE). Spannungsgeladen sind die Augenblicke der Szene, in denen Goodliffe die Treppen des alten Schlosses heraufsteigt, als ihm wie aus dem Nichts die Schreckgestalt einer Gorgone erscheint. Großen Einfluss habe dieser Film auf ihn und andere J-Horror-Veteranen ausgeübt, bestätigte Kurosawa im Anschluss, darunter auch RINGU-Autor Hiroshi Takahashi. Ein Detail stach dabei besonders heraus: Der Schrecken erwächst in THE GORGON aus der filmischen Gestaltung. „Der furchterregende Aspekt daran ist, dass die Figur überhaupt nichts tut, sie ist einfach nur da“, betonte der 60-Jährige. „Erschreckend ist, wie und wo sie platziert ist, wie Terence Fisher ihre Präsenz inszenierte.“

Deadline 58

Das Interview „Zeigen was nicht zu sehen ist. Im Gespräch mit Kiyoshi Kurosawa“ über Einflüsse Herangehensweise und das Filmbusiness im Heimatland des Filmemachers, erscheint zusammen mit meinem umfassenden Festivalbericht über die Nippon Connection in der neuen Ausgabe von Deadline – Das Filmmagazin, Ausgabe #58, ab 6. Juli am Kiosk.

Auch in seinem eigenen Werk spielt das Wie und Wo eine herausragende Rolle. Kurosawa ist ein Meister darin, eine dichte Atmosphäre des Unbehagens zu erzeugen, mit einer ebenso subtilen wie wirkungsvollen Inszenierung, wie sie ihn selbst in THE GORGON überzeugte. Immer wieder spielt der Ton dabei eine wichtige Rolle: „Über den Ton hat man die Möglichkeiten Geschichten zu erzählen und das zu zeigen, was im Bild nicht zu sehen ist“, erklärte er im Interview das ich für DEADLINE – DAS FILMMAGAZIN mit ihm führen durfte.

Rund 50 Gäste stellten bei der Nippon Connection ihre Filme persönlich vor, wie immer waren darunter Akteure aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Filmemachens, hauptsächlich Regisseure (und Regisseurinnen!), Produzenten und Darsteller. Mit dem von der Lufthansa gestifteten Nippon Honor Award holt das Festival auch die ganz großen Namen der Branche nach Frankfurt. Kurosawa ist der zweite Preisträger nach Schauspieler Tadanobu Asano, der im vergangenen Jahr seine Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen musste.

Kurosawa

Fotos (4): Sascha Schmidt

Tom Mes, der bei der Verleihung des Nippon Honor Awards am Vorabend die Laudatio auf Kurosawa hielt, betonte auch an diesem zweiten Festivaltag, das der Filmemacher wichtige Beiträge zu allen großen Entwicklungen im japanischen Kino leistete. In einer kleinen Werkschau konnte sich das Publikum in Frankfurt davon selbst ein Bild machen: Beim Filmdinner gezeigt wurde sein Festival-Erfolg TOKYO SONATA, im Mal Seh’n Kino lief der Klassiker CURE, Eröffnungsfilm war JOURNEY TO THE SHORE, für den Kurosawa in Cannes in der Sparte Un Certain Regard mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde. Während bei der VHS-Night Ausschnitte aus seinem selten zu sehenden Frühwerk gezeigt wurden, griff der Regisseur für seinen neuesten Film CREEPY tief in deine Trickkiste des Grauens und verlangte dem Publikum ein enges Nervenkostüm ab.

Nach Frankfurt kam Kurosawa mit seiner Frau, zeigte sich während des gesamten Festivals als aufgeschlossener, sympatischer Routinier. Dennoch, gestand er, plage ihn noch immer große Nervosität, wenn er seine Filme zusammen mit dem Publikum schaue. Doch das hinderte ihn nicht am intensiven Austausch mit den Festivalbesuchern, die er mit spannenden Standpunkten und humorvollen Anekdoten begeisterte . „Der Film wirkt sehr bitter“, sagte er beim Q&A im Anschluss an den Psychothriller CREEPY milde und lachte, „aber es war ein großer Spaß ihn zu drehen – bei solchen Filmen ist es immer sehr amüsant am Set.“

Mehr erfahren:
Filmbesprechung: Creepy
Nippon Connection bei Okaeri
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