The Mohican Comes Home

mch posterDer Mohikaner kehrt nach Hause zurück – schon die Metapher im Filmtitel spielt mit dem Kontrast: Der „Mohikaner“ Eikichi, zugezogener Großstädter mit Lederjacke und Irokesenschnitt, inmitten des heimatlichen Idylls auf einer kleinen Insel bei Hiroshima. Hier der Vater, Leiter des Highschool-Orchesters, der den Elvis von Hiroshima, Yazawa Eikichi, bedingungslos verehrt, dort der Sohn, der provokante Death-Metal-Sänger, der in rotzigen Clubs in Tokio Texte über Tod und Verderben ins Mikro growlt. Es sind Generationen, die in THE MOHICAN COMES HOME aufeinandertreffen und grundverschiedene Lebensentwürfe. Das sorgt für mächtig viel Troubel und ebnet den Weg für ein ebenso verrücktes wie warmherziges Familienabenteuer voller Rhythmus und Herz.

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Filmstills via Nippon Connection

Seit sieben Jahren war Eikichi (Ryuhei Matsuda, TABOO) nicht bei seinen Eltern zu Besuch. Als seine Freundin Yuka (Atsuko Maeda, KABUKICHO LOVE HOTEL) schwanger wird, soll sich das ändern. Noch am Abend der Ankunft gibt die Familie eine Begrüßungsfeier, doch dann der Schock – der Vater (Atsuko Maeda, DER AAL) bricht zusammen. Die Untersuchung ergibt: Krebs im Endstadium, er hat nur noch kurze Zeit zu leben. Zeit für Eikichi das schwierige Verhältnis zu seiner Familie neu zu ordnen.

Immer wieder spürt man, dass so Manches in der Familie der Aufarbeitung harrt, doch angesichts der tragischen Situation findet sie dennoch schnell zusammen – ohne falsche Sentimentalität über getroffene Entscheidungen und vertane Chancen. Im Gegenteil, gerade im gegenseitigen Beharren auf ihre verschiedenartige Charaktere liegt der Reiz von THE MOHICAN COMES HOME. Einmal, der Vater ist ans Bett gebunden, möchte Eikichi ihm etwas Gutes tun. Er bringt Zettel und Stift und sagt, er solle aufschreiben, was immer er möchte – ganz gleich was es sei. „Geh zum Frisör!“, schreibt der Vater mürrisch darauf. „Niemals!“, kommt prompt die Antwort. Gram und Verdruss, Protest und Selbstverwirklichung -auch in diesen Momenten der Annäherung sind sie präsent. Warum Eikichi einst ging, ist leicht zu verstehen. Aber auch, warum er nun bleibt.

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Betrachtet man die vordergründige Exzentrik von THE MOHICAN COMES HOME, erzählt Regisseur und Drehbuchautor Okita Shuichi (THE WOODSMAN AND THE RAIN) eine überraschend konventionelle Geschichte – doch es sind viele kleine Dinge, die den Film zu etwas Besonderem machen. So etwa die wunderbar skurrilen Momente, die sich aus dem familiären Clash der Kulturen ergeben, oder auch das rechte Maß an Humor und Dramatik, das sich durch den Film zieht, vor allem aber Okitas ausgesprochenes Talent fürs richtige Timing seiner Szenen. Ebenso überzeugt auch das Darstellerensemble, das dem Mit- und Gegeneinander der Figuren stets etwas angenehm Leichtes verleiht, während THE MOHICAN COMES HOME dank des vitalen Spiels mit seinen Kontrasten zu keiner Zeit an Biss verliert.

Mohican kokyô ni kaeru, Okita Shuichi, Japan 2016, 125 min.

Mehr erfahren: Nippon Connection auf Okaeri

 

 

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