BANZAI! JAPANESE CULT MOVIE POSTERS: Visuell reizvoll, filmhistorisch wertvoll

banzai_cover_frontalFilmplakate sind nicht nur Werbemittel, sondern auch eine Kunstform und Japan nimmt hier eine besondere Rolle ein – durch ihre charakteristische Collagen-Technik, durch die eindrückliche Kanji-Typografie und ein aufregendes Spiel mit der Bildfläche zwischen formaler Ästhetik und dramaturgischer Spannung. Armin Junge hat sich diesem reizvollen Thema gewidmet: Seit über 20 Jahren sammelt er Kult- und Genrefilmposter aus Japan. In BANZAI! JAPANESE CULT MOVIE POSTERS, das nun bei Creepy Images erschienen ist, bietet er einen einzigartigen Einblick in diese Sammlung und damit auf schillernde Jahrzehnte im japanischen und internationalen Filmgeschäft.

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SNAKE WOMAN’S CURSE, THE BRIDE FROM HADES und weitere Filmplakate zu japanischen Geisterfilmen gibt es im Kapitel „Horror“ zu entdecken.  Alle Musterseiten mit freundlicher Genehmigung von Creepy Images.

Aktion und Attraktion, Sex, Schock und Skandal – aber nie ohne den besonderen Reiz ausgereifter grafischer Finesse: Das ist das Spannende an der japanischen Filmplakatkunst, vornehmlich der 60er bis 80er Jahre, in denen das Kino immer wieder seine Grenzen testete und versuchte das Publikum durch stets neue Sensationen zu begeistern. Durch Farbe, Form und Fläche, durch das Spiel mit Vorder- und Hintergründen und die oft spekulativ verwendeten Filmausschnitte entfalten die Plakate dieser Zeit sie eine ganz eigene Dramaturgie und eine Wirkung weit über die eigentliche Filmwerbung hinaus. So entstehen durch die kunstvoll verwobenen Bildebenen von Chanbara- und Jidei-geki-Plakaten vollendete, historisierende Schlachtengemälde, wie das der ELEVEN SAMURAI, Kaiju-Plakate von GODZILLA und Co. setzen ganz auf die bunte, überbordende und atemberaubende Präsenz ihrer monströsen Leinwandgiganten, während der raue Realismus der BATTLES WITHOUT HONOR AND HUMANITY sich auch im Werbematerial wiederfindet. „Der Stil der Poster unterscheidet sich […] sehr stark davon, wie Yakuza Filme bis dahin beworben wurden“, schreibt Armin Junge über die Plakate zu Kinji Fukasakus legendärer Filmreihe. „Die Verherrlichung von Verbrechern wird hier ersetzt durch realistische Darstellungen, die Bildern auf Titelseiten einer alten Tageszeitung ähneln.“

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Gleich mit mehreren Plakatmotiven sollte das japanische Publikum in die bizarre Welt von JIGOKU gezogen werden. Knappe Infos zu ausgewählten Filmen wie diesem, helfen dabei, Film und Plakat einzuordnen.

In sechs Kapitel unterteilt BANZAI! seine Reise durch die Welt japanischer Kultfilm-Plakate: ‚Bad Girls‘, ‚Tough Guys‘, ‚Horror‘, ‚Mondo‘, ‚Shocking‘ und ‚Science Fiction & Fantasy‘. Neben knappen Einführungen in jedes der Kapitel gibt es kurze, anschauliche Anekdoten und weiterführende Informationen zu ausgewählten Plakaten und Filmen, darunter so populäre Stücke wie JIGOKU, SASORI oder LONE WOLF AND CUB, aber auch selten zu sehende Filme, wie die Girl Gang Movies der Toei Studios oder die grotesk-anstößigen Werke von Teruo Ishii. Bieten die Kurztexte wertvolle Hilfestellungen zur Einordnung von Einfluss und Wirkung der in den jeweiligen Kapiteln behandelten Genres und ihrer Plakate, liegt der Fokus von BANZAI! indes ganz klar auf der opulenten Ästhetik seiner Bilder. In übersichtlichem, cleanem Design und auf hochwertigem Papier gedruckt, präsentieren Armin Junge und Creepy Images die mehr als 560 farbigen Abbildungen in glasklaren Scans und großformatigen, teils ganzseitigen Darstellungen. So bereitet es auch aus technischer Sicht große Freude, das fast 300-Seiten starke Buch durchzublättern und immer wieder hängen zu bleiben, um sich diesem oder jenem Plakat in all seinen Details zu widmen.

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Plakate zur LONE WOLF AND CUB-Reihe und zu den Toei Girl Gang Movies.

Der Schwerpunkt von BANZAI! liegt auf dem internationalen Genrekino der 60er bis 80er Jahre. Jedes der Kapitel berücksichtigt eine Vielzahl japanischer Produktionen, doch die Film- und Plakatauswahl reicht weit über die Grenzen Nippons hinaus. So Manches was Sammler Junge dabei zusammengetragen hat, ist heute längst in der Versenkung verschwunden, während anderes einen unbestrittenen Platz im Kanon der Filmgeschichte genießt. So finden Gialli und Zombies, Hammer-Horror und Sex-Klamotten ebenso ihren Platz, wie JAMES BOND, PLANET DER AFFEN oder THE WILD BUNCH. Gerade in dieser Vielfalt liegt ein weiterer Reiz des Buches, da durch sie auch eine große Bandbreite der grafischen Meisterleistungen japanischer Plakatkunst abgebildet wird.

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Insgesamt gibt es in BANZAI! JAPANESE CULT MOVIE POSTERS rund 560 japanische Plakate zum internationalen Kult-, Genre- und Exploitationkino zu sehen.

Mit BANZAI! hat Armin Junge eine beeindruckende Auswahl seiner Sammlung seltener japanischer Kult- und Genrefilmplakate zusammengestellt, mit denen er einen einzigartigen Blick auf die spezifisch japanische Sicht dieser aufregenden Zeit in der Geschichte des Kinos erlaubt. Eine wertvolle filmhistorische Archivleistung und darüber hinaus ein hervorragendes cinephiles Coffeetable-Book mit einem Hang zum Außergewöhnlichen und Randständigen.

Armin Junge: Banzai! Japanese Cult Movie Posters, Creepy Images 2016
296 Seiten, 560 Abbildungen in Farbe, Texte in deutsch und englisch, 28 Euro

Eine weitere Meinung zum Buch gibt es von Marco Koch im Filmforum Bremen.

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