The Harp of Burma (#japanuary)

Mit THE HARP OF BURMA realisierte Kon Ichikawa 1956 einen der großen humanistischen Nachkriegsfilme Japans, in dem er gewichtige Bilder findet und sich die universelle Kraft der Musik entfalten lässt.

Im Fokus von THE HARP OF BURMA steht eine japanische Kompanie um Captain Inouye (Rentarô Mikuni), die während des Zweiten Weltkrieges in Burma stationiert ist und dort auf sich alleine gestellt durch die Wälder zieht. Als sie während der Rast in einem Dorf vom Kriegsende und der Kapitulation Japans erfahren, geben sie ihre Waffen widerstandslos an ein britisches Batallion ab. Einen halben Tagesmarsch entfernt jedoch zeichnet sich ein anderes Bild: Auf einem Berg hält ein weiterer japanischer Trupp an den Kämpfen fest. Mizushima (Shôji Yasui), der unter Captain Inouye durch sein virtuoses Spiel der burmesischen Harfe aufgefallen ist, soll die Kameraden überzeugen, sich zu ergeben und später alleine in das 500 Kilometer entfernte Gefangenenlager folgen.

 

Doch alles gute Zureden ist Vergebens, Mizushima kann das sinnlose Sterben nicht verhindern – nur mit Glück übersteht er selbst das folgende Bombardement. Es ist eines von vielen starken Bildern des Films: Geschwächt erhebt sich Mizushima aus dem Leichenfeld der gefallenen Kameraden. Gegen den starren Ehrbegriff des feudalen Militarismus hatte er keine Chance. Auch das war Japan, scheint Ichikawa in diesem Moment mit trauriger Stimme zu flüstern.

 

Dieser Moment ist mit seinem zeitgenössischen Blick auf die Vergangenheit Japans auch einer der wichtigsten des Films, denn er führt schonungslos vor Augen, dass die feudalistische Ideologie der Meiji-Periode Schreckliches bewirkt hat und dass die nationalistisch geprägte Verherrlichung des Bushidos einen Ehrbegriff hervorbrachte, der die Menschen sich selbst und ihre Menschlichkeit vergessen ließ. Diese Menschlichkeit und einen individuellen Humanismus wiederzuerlangen, das verdichtet sich in der Figur des Mizushima.

 

Damit bekrätigt Kon Ichikawa das filmische Projekt Akira Kurosawas dieser Zeit und bildet gleichzeitig einen aufregenden Gegenpol: Ebenso wie Kurosawa versucht auch Ichikawa Einfluss zu nehmen auf den sozialen und kulturellen Wandel Japans nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und ebenso wie er setzt er dabei auf Einsicht und Handeln des Individuums. Anders aber als etwa in Kurosawas DIE SIEBEN SAMURAI, der ein Jahr vor Beginn der Dreharbeiten zu THE HARP OF BURMA erschien, ist Mizushima alles andere als ein Rebell vom Schlage Toshiro Mifunes. Er ist nachdenklich, in sich gekehrt und bevorzugt es, den Klang seiner Harfe für sich sprechen zu lassen. Dazu passt auch der zweite Kontrast, in dem bei THE HARP OF BURMA rührseelige, melodramatische Anleihen dem intensiven Action-Kino Kurosawas gegenüberstehen.

Und immer wieder geht es dabei um die Musik – sie ist Mittel der Kommunikation und der Täuschung, des Gedenkens, der Verständigung und Aussöhung. Der Gesang der Kompanie, das Harfespiel Mizushimas, die Lieder des Gegners und der Geschlagenen: Die Macht der Melodie hat universellen Charakter. (Selbst begleitet wird der Film übrigens von einem eindringlichen Score von GODZILLA-Komponist Akira Ifukube.)

 

„Wieso gibt es auf der Welt nur so schreckliches Elend?“, fragt Mizushima einmal. „Das ‚Warum‘ werden wir nie begreifen können, wir können uns nur anstrengen, dieser leidgeplagten Welt wenigstens ein bisschen Heil zu bringen. Wir können den Mut fassen, furchtlos mit eigenem Beispiel vorangehend, Frieden zu schaffen zu versuchen.“

Biruma no tategoto, Kon Ichikawa, Japan 1956, 116 min.

Filmstills: © Nikkatsu Corp. / AV Visionen

Mehr erfahren: #japanuary auf Schoener-Denken.de (externer Link)
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