Youth of the Beast (#japanuary)

Als YOUTH OF THE BEAST 1963 erschien, hatte Seijun Suzuki bereits fast 30 Filme inszeniert. In dieser Zeit stand der damals 40-Jährige beim Studio Nikkatsu unter Vertrag, für das er B-Filme produzierte – ‚kleine‘ Filme, die neben großen Produktionen im Double-Bill liefen.

So waren es auch gerade die typischen Genre-Streifen, die Suzuki, wie seine Kollegen, auf die Leinwand brachte. Dass er die Regeln und Mechanismen des Genrekinos dabei mit großer Freude und Kunstfertigkeit dehnte, führte dazu, dass er schließlich Meisterwerke wie TOKYO DRIFTER und BRANDED TO KILL erschuf – und es 1968 zum legendären Bruch des Studios mit dem Filmemacher kam. Die konkreten Umstände sind Stoff für Legenden und etwa im lesenswerten Booklet der Masters of Cinema-Veröffentlichung von Frederick Veith und Phil Kaffen kenntnisreich aufgeschlüsselt.

YOUTH OF THE BEAST wird häufig als Auftakt für Suzukis spezifischen Stil gesehen (auch hier gilt: zur Kontextualisierung lohnt es sich, etwas tiefer in die Bio- und Filmografie einzusteigen. Auch das dröselt die o.g. Veröffentlichung im Interview mit Tony Rayns auf).

Die verzwickte Gangster-Story des Films inszeniert Suzuki als schnellen, eleganten Actionstreifen, der seiner Geschichte gerade genug Luft zum Atmen lässt, der Aktion, Intrige und Emotion verdichtet und sich dabei ganz auf seine stilististischen Extravaganzen konzentriert – mit nervösen Jazzmelodien, suggestiver Farbdramaturgie und einer wunderbaren Ausstattung. Dass er die Geschichte auf ihre Eckpunkte reduziert, lässt Suzuki Raum, seine Szenen mit seiner ganz eigenen Note zu versehen: Das bis in den Wahnsinn verzerrte Gesicht der drogensüchtigen Prostituierten etwa, das mit Modellflugzeugen sonderbar überfüllte Appartment eines Yakuzas oder die berühmte Gewalt-Schrägstrich-Liebesszene im farbdurchfluteten Sandsturm. Besonders spannend und teils von fast surrealer Qualität sind die doppelten Leinwände, die der doppelbödigen Story auch auf der Bildfläche ein Äquivalent bieten: Wenn der Film im pulsierenden Nachtclub einen Schritt nach hinten geht und wir uns plötzlich hinter einem einseitig durchsichtigen Spiegel befinden, der in der Peripherie des Bildschirms und hinter der eigentlichen Handlung sein wildes Treiben Preis gibt (und das in völliger Stille!), oder wenn der Yakuza-Verschlag über einem Kinosaal den Blick auf die schnelle Unterhaltung für das nichtsahnende Publikum erlaubt und dabei Genre im Genre präsentiert.

Ein verwegener Ritt durch Tokios Halbwelt, der sich das Potential der seriellen Studioproduktion voll zu Nutze macht und sein Publikum zugleich mit eigensinnigen stilistischen Akzenten verführt.

Yajû no Seishun, Seijun Suzuki, Japan 1963, 92 min.

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